Gründungsgeschichte

Die Gründung des Vereins geht auf den Beschluss der 8. Synode der EKHN im März 1995 zurück, an einer Universität im Bereich der EKHN eine Stiftungsprofessur für Feministische Theologie zu errichten. Dieser Beschluss war das Ergebnis der Projektgruppe „Anliegen der Feministischen Theologie“, die im Rahmen der Perspektivkommission unter der Federführung des Theologischen Ausschusses der Synode vom Dezember 1993 bis März 1995 arbeitete.

Die weitere Diskussion innerhalb der EKHN führte dann zur Gründung des Fördervereins im September 1996.

 

Gründungsgeschichte:

Feministische Theologie blieb bis Mitte der 1990er Jahre an den hiesigen Universitäten völlig außen vor. Die Versuche engagierter Frauen, ein entsprechendes Fach zu etablieren, waren allesamt gescheitert. Erst 2003 rief die Augustana-Hochschule in Neuendettelsau eine Professur für Feministische Theologie ins Leben – es ist bis heute bundesweit die einzige. Dabei ließ die Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau 1993 hoffen. Unter dem Leitthema „Frauen und Männer in der Kirche“ wurde in einem eigenen Ausschuss über das Anliegen der Feministischen Theologie diskutiert. Der bescheinigte die Notwendigkeit, die Feministische Theologie wissenschaftlich zu erarbeiten und zu untersuchen und brachte einen Antrag zur Errichtung eines entsprechenden Stiftungslehrstuhls ein. Die Synode stimmte ihm mit großer Mehrheit zu, die Kirchenleitung lehnte jedoch ab. Sie zeigte sich lediglich bereit, wissenschaftliche Arbeiten zur Feministischen Theologie mit einem Stipendium für Dissertationen oder Habilitationen zu unterstützen.

Hatten die Frauen lange Jahre vergeblich Geduld, Nerven und Kraft investiert, wählten sie schließlich einen anderen Weg. Im Juni 1996 riefen sie in der Frankfurter Universität den „Verein zur Förderung Feministischer Theologie in Forschung und Lehre“ ins Leben. Der Vorstoß ging maßgeblich auf Ehrenamtliche zurück, auch für das nötige Gründungskapital sorgte die Spende einer ehrenamtlichen Synodalen. Die beherzte Tat öffnete erstmals Räume für die Auseinandersetzung mit feministischer Theologie. So waren auf den regelmäßigen Mitgliederversammlungen fortan Stipendiatinnen sowie Theologinnen und Theologen aus dem feministischen Arbeitsfeld mit wissenschaftlichen Vorträgen zu Gast. Dank mehrerer positiv beschiedener Anfragen zur finanziellen Unterstützung von Veröffentlichungen – unter anderem floss eine beträchtliche Summe zur Organisation einer Ringvorlesung an der Universität Frankfurt – konnte der Verein im Laufe der Zeit vier Stipendiatinnen begleiten. Zwei von ihnen schlossen ihre wissenschaftlichen Arbeiten ab, zwei mussten sie aus persönlichen Gründen vorzeitig beenden.

Im Jahr 2000 beschloss der Verein, in zweijährigem Rhythmus einen besonderen Preis für wissenschaftliche oder projektbezogene Arbeiten auf dem Feld der Feministischen Theologe oder Gender Studies in der Theologie auszuschreiben: den Leonore Siegele-Wenschkewitz-Preis. Der ist mit 3000 Euro dotiert und wurde bis heute zehn Mal vergeben. Die nächste Preisverleihung ist für 2021 anberaumt. Verliehen wird er vom Verein zur Förderung Feministischer Theologie in Forschung und Lehre in Kooperation mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), der Evangelischen Akademie Frankfurt und dem Landesverband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V.. In Kooperation mit dem Verein vergibt die EKHN seit 2017 noch einen mit 500 Euro dotierten Nachwuchspreispreis, der gemeinsam mit dem LSW-Preis im Rahmen eines Festaktes verliehen wird. Im nächsten Jahr also zum dritten Mal.

Trotz dieser Erfolge wurde das ursprüngliche Anliegen des Vereins freilich nicht ad acta gelegt. Wie die langjährige Vorsitzende und maßgebliche Gründungsfigur Heidi Rosenstock in ihrem 2020 verfassten Rückblick klar stellt, gilt nach wie vor: „Wir wollen einen Lehrstuhl für Feministische Theologie.“ Deren Integration in andere Fachbereiche durch projektbezogene Themen sei zwar lobenswert. Für eine angemessene Forschungs- und Lehrtätigkeit führe an einem etablierten Lehrstuhl jedoch kein Weg vorbei.

gez. von Heidi Rosenstock und Doris Stickler

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