Preisträger*innen 2017

Preisträger*innen des Leonore Siegele-Wenschkewitz Preises 2017
Preisträger*innen des Leonore Siegele-Wenschkewitz Preises 2017
Preisträger*innen
L.-Siegele-Wenschkewitz Preis 2017
Pressemitteilung zur Verleihung des Leonore Siegele-Wenschkewitz Preises 2017

Spannend, aufregend, anregend
Der Leonore Siegele-Wenschkewitz Preis 2017 wird verliehen

Mit Gerhard Schreiber erhält zum ersten Mal ein Mann den seit 2001 vergebenen Leonore Siegele-Wenschkewitz Preis. Der von ihm herausgegebene Band geht auf eine internationale Tagung zu Transsexualität 20016 in Frankfurt zurück. In den Beiträgen wird – bislang einmalig – Geschlechtervielfalt interdisziplinär unter neuro-, bio-, rechtswissenschaftlichen und theologischen Aspekten beleuchtet. Forschungsergebnisse werden dokumentiert. Kontroverse Standpunkte und unterschiedliche Blickwinkel werden aufeinander bezogen, auch international. Dem Band gelingt ein beeindruckender interdisziplinärer Dialog. Dies wird dadurch möglich, dass nicht nur diverse wissenschaftliche Fachgebiete, sondern eben auch Expert*innen in der Begleitung transidenter Personen und Menschen, die sich selbst dem Trans*Spektrum zugehörig fühlen, ins Gespräch gebracht werden. Manche Beiträge eignen sich gut für einen Einstieg ins Thema oder zur Information. Andere greifen eher Fragen der fortgeschrittenen Fachdiskussion auf. Das Werk ermutigt zum vorurteilfreien Umgang mit dem Thema Transidentität und Geschlechtervielfalt und zum respektvollen Umgang mit Menschen unterschiedlicher geschlechtlicher Identität und Orientierung. Der Band, zu dem im Übrigen auch Kirchenpräsident Volker Jung (EKHN) einen Beitrag geleistet hat, markiert einen wichtigen Baustein zum gegenwärtigen theologischen Diskurs gerade auch aus einer Gender-Perspektive, und greift mit dem Thema der Transsexualität eine gesellschaftliche Fragestellung auf, die auch für die Kirchen von hoher Relevanz ist und diese weiter beschäftigen wird.

Ganz anders das Anliegen der mit dem Nachwuchspreis (verbunden mit einem Preisgeld von 500 Euro) ausgezeichneten Arbeit. Dieser geht an Jolanda Gräßel-Farnbauer für ihre Examensarbeit „Die Debatte um die Zölibatsklausel für evangelische Theologinnen im 20. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Situation in der EKHN“.
Verheiratete Pfarrerinnen gehören in Deutschland zur kirchlichen Normalität. Bis in die 1970iger Jahre war das anders, verheiratete Theologinnen mussten ihren Beruf aufgeben. Der lange Weg zur vollständigen Gleichstellung von Theologinnen mit ihren männlichen Kollegen ist das Thema einer wissenschaftlichen Arbeit von Jolanda Gräßel-Farnbauer. Die Autorin beschäftigt sich mit den Diskussionen zur sog. „Zölibatsklausel“. Selbst heutige Pfarrerinnen fragen irritiert, „was ist das denn?“ In den von Männern dominierten kirchlichen Gremien der Nachkriegszeit war das anders. Erst die veränderte gesellschaftliche Einstellung zur Rolle der Frau, aber auch Wandlungen im Selbstverständnis der Theologinnen, trugen dazu bei, dass heute verheiratete Pfarrerinnen auf allen kirchlichen Ebenen tätig sein können. Interviews mit Frauen, die von der Zölibatsklausel betroffen waren und zahlreiche Zitate aus Synodenprotokollen vermitteln ein lebendiges Bild dieses Aspekts kirchlicher Frauenbewegung. Die Arbeit macht deutlich, wie entscheidend die Abschaffung der sog. Zölibatsklausel für eine Kirche war und ist, die sich auf die Reformation beruft. Dafür hat die Jury ihr den Leonore Siegele-Wenschkewitz-Nachwuchspreis verliehen.

Der Festakt der Preisverleihung ist öffentlich und der Eintritt frei. Anmeldungen erleichtern die Vorbereitung und werden erbeten unter obut@evangelische-akademie.de direkt an die Evangelische Akademie Frankfurt erbeten.
Der Leonore Siegele-Wenschkewitz Preis wird alle 2 Jahre vom Verein zur Förderung Feministischer Theologie in Forschung und Lehre e. V. in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Frankfurt, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau  und dem Landesverband Evangelischer Frauen in Hessen und Nassau e.V. vergeben. Er dient der Auszeichnung von Beiträgen, die in besonderer Weise die feministische Theologie oder die Gender Studies in der Theologie fördern. Mit dem Preis wird gleichzeitig an Leonore Siegle-Wenschkewitz erinnert. Die 1999 verstorbene Direktorin der Evangelischen Akademie Hessen und Nassau war mit ihrem Engagement für kirchliche Zeitgeschichte, den christlich-jüdischen Dialog, feministische Theologie und theologische Frauenforschung richtungsweisend.
Informationen zu dem ausgezeichneten Werk Gerhard Schreiber (Hrsg.): Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften. Ergebnisse, Kontroversen, Perspektiven. 745 Seiten. Berlin 2016. 39,95 €. ISBN 978-3-11044-080-5 über die Verlagsseite
Wenn der diesjährige Leonore Siegele-Wenschkewitz Preis am 12. November in der Evangelischen Akademie Frankfurt um 15 Uhr in einem Festakt übergeben wird, dann werden damit zukunftweisende Arbeiten ausgezeichnet. Der mit einem Preisgeld von 3000 Euro dotierte Hauptpreis geht an Gerhard Schreiber als Herausgeber des Grundlagenwerkes „Transsexualität in Theologie und Neurowissenschaften. Ergebnisse, Kontroversen, Perspektiven.“

https://www.degruyter.com/view/product/460383 (Dort ist auch ein Blick ins Buch möglich.)

=> Einladung

=> Offizielle Begrüßung durch Pfarrer und Studienleiter Dr. Eberhard Pausch
=> Grußwort Angelika Thonipara, Geschäftsführende Pfarrerin, Ev. Frauen in Hessen und Nassau e.V.
=> Grußwort Pfarrer Matthias Schmidt, Propst für Oberhessen, Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)



Bei Fragen bezüglich der Preisverleihung am 12. November wenden Sie sich bitte an:

Eva Ungvari, Geschäftsführerin des Vereins zur Förderung feministischer Theologie in Forschung und Lehre e.V.
(info@verein-fem-theologie.de) oder werfen Sie einen Blick auf unsere Homepage: www.verein-fem-theologie.de .

top